Buchhaltung.de

Beleihungswert

Wer eine Immobilie finanziert, hört früh oder später vom Beleihungswert. Oft erst, wenn die Bank weniger Kredit anbietet als erwartet. Der Grund liegt fast immer in dem Unterschied zwischen Kaufpreis und Beleihungswert.

Für Unternehmer ist dieser Wert gleich doppelt relevant. Er bestimmt die Finanzierbarkeit von Betriebsimmobilien und fließt in die Besicherung jeder größeren Investition mit ein.

Definition: Was ist der Beleihungswert?

Der Beleihungswert ist der Wert einer Immobilie, den eine Bank als dauerhafte Sicherheit für einen Kredit anerkennt. Entscheidend ist nicht der aktuelle Marktpreis, sondern der Betrag, den die Immobilie auch in zehn oder 20 Jahren noch zuverlässig einbringen würde.

Dieser nachhaltig erzielbare Wert liegt fast immer unter dem Verkehrswert und oft deutlich unter dem Kaufpreis. Banken rechnen bewusst konservativ, um sich gegen Marktschwankungen abzusichern.

Rechtsgrundlage ist die Beleihungswertermittlungsverordnung (BelWertV) sowie § 16 Abs. 2 Pfandbriefgesetz. Für realkreditfähige Darlehen schreiben beide Normen eine standardisierte Ermittlung vor.

Beleihungswert, Verkehrswert, Kaufpreis: die wichtigste Abgrenzung

Drei Werte, drei Bedeutungen. In der Praxis werden sie regelmäßig verwechselt.

Begriff

Bedeutung

Zeitbezug

Kaufpreis

tatsächlich vereinbarter Preis im Vertrag

heute

Verkehrswert

am Markt erzielbarer Preis (§ 194 BauGB)

aktueller Stichtag

Beleihungswert

dauerhaft gesicherter Wert aus Banksicht

langfristig

Ein Beispiel: Eine Eigentumswohnung in München kostet 650.000 €. Der Gutachter stellt einen Verkehrswert von 630.000 € fest. Die Bank ermittelt einen Beleihungswert von 530.000 €.

Die Differenz zwischen Verkehrswert und Beleihungswert nennt sich Sicherheitsabschlag. Er beträgt in der Regel zwischen 10 und 30 Prozent, abhängig von Objektart, Lage und Marktlage.

Wie Banken den Beleihungswert ermitteln

Die BelWertV schreibt drei Verfahren vor. Welches angewandt wird, hängt von der Immobilienart ab. Oft kombinieren Banken zwei Verfahren und bilden einen gewichteten Durchschnitt.

Vergleichswertverfahren

Grundlage sind tatsächlich erzielte Verkaufspreise ähnlicher Objekte in der Region. Typisches Anwendungsgebiet: Eigentumswohnungen und unbebaute Grundstücke.

Sachwertverfahren

Hier zählen Grundstückswert plus Herstellungskosten des Gebäudes, abzüglich Alterswertminderung. Typisch bei selbst genutzten Einfamilienhäusern ohne vergleichbare Marktdaten.

Ertragswertverfahren

Grundlage sind die nachhaltig erzielbaren Mieteinnahmen, kapitalisiert mit einem Liegenschaftszins. Die Standardmethode bei Renditeobjekten und Gewerbeimmobilien.

Bei allen drei Verfahren fließen Risikozuschläge in die Berechnung ein. Lagequalität, Bauzustand, Ausstattungsstandard und mögliche Drittverwendung sind wichtige Faktoren.

Beleihungsgrenze und Beleihungsauslauf

Der Beleihungswert ist nur die eine Hälfte der Geschichte. Entscheidend für die Kreditvergabe sind zwei weitere Kennzahlen.

Beleihungsgrenze

Der prozentuale Anteil des Beleihungswerts, den die Bank als Kredit vergibt. Übliche Grenzen:

  • bis 60 % Beleihungsgrenze: Realkredit (günstigste Zinsen, § 14 PfandBG)
  • bis 80 %: klassische Baufinanzierung mit Standardkonditionen
  • bis 100 % oder darüber: Vollfinanzierung mit deutlichem Zinsaufschlag

Beleihungsauslauf (englisch: Loan to Value, LTV)

Das Verhältnis von Darlehenssumme zu Beleihungswert, ausgedrückt in Prozent.

Beleihungsauslauf = Darlehenssumme ÷ Beleihungswert × 100

Je höher der Beleihungsauslauf, desto höher das Risiko für die Bank und desto höher der Zinsaufschlag für den Kunden. Werte über 90 % werden teuer, über 100 % oft nur mit Zusatzsicherheiten vergeben.

Ein konkretes Rechenbeispiel

Ein Unternehmen plant den Kauf einer Lagerhalle für 1.000.000 € netto.

Position

Betrag

Kaufpreis

1.000.000 €

Verkehrswert laut Gutachten

980.000 €

Sicherheitsabschlag der Bank (20 %)

196.000 €

Beleihungswert

784.000 €

Beleihungsgrenze 80 %

627.200 €

Maximales Bankdarlehen

627.200 €

Der Käufer muss die Differenz von 372.800 € aus Eigenkapital oder einem nachrangigen Darlehen aufbringen. Dazu kommen Kaufnebenkosten (Grunderwerbsteuer, Notar, Grundbuch), die ebenfalls aus Eigenmitteln zu finanzieren sind.

Wer eine höhere Finanzierung wünscht, zahlt in der Regel 0,2 bis 0,8 Prozentpunkte Zinsaufschlag. Bei größeren Darlehen summiert sich das über die Zinsbindung schnell auf fünfstellige Beträge.

Wer legt den Beleihungswert fest?

Die Ermittlung erfolgt grundsätzlich durch die kreditgebende Bank selbst. Je nach Objektgröße kommen unterschiedliche Prüfer zum Einsatz:

  • bis ca. 400.000 €: interne Wertermittlung per Software (Kleindarlehensgrenze nach § 24 BelWertV)
  • bis ca. 3 Mio. €: Kurzgutachten durch bankeigene Gutachter oder zertifizierte Sachverständige
  • ab 3 Mio. €: ausführliches Vollgutachten, meist durch externe öffentlich bestellte Sachverständige

Als Kreditnehmer tragen Sie die Gutachterkosten in der Regel selbst. Bei Standardimmobilien liegen sie zwischen 500 und 2.500 €, bei komplexen Gewerbeobjekten deutlich höher.

Praxistipp: Lassen Sie sich den Beleihungswert und den angesetzten Sicherheitsabschlag von der Bank schriftlich erläutern. Vergleichsangebote anderer Institute führen oft zu abweichenden Ergebnissen, die eine zweite Verhandlungsrunde ermöglichen.

Was den Beleihungswert drückt

Mehrere Faktoren mindern den Wertansatz spürbar. Ein Überblick aus der Vergabepraxis:

  • ungünstige Lage oder strukturschwache Region
  • sanierungsbedürftiger Zustand (Dach, Heizung, Dämmung)
  • ungewöhnliche Grundrisse oder eingeschränkte Drittverwendung
  • Erbbaurechte statt Volleigentum
  • belastete Grundstücke (Altlasten, Denkmalschutz, Dienstbarkeiten)
  • spezialisierte Gewerbeimmobilien mit engem Nutzerkreis

Besonders die Drittverwendungsfähigkeit ist für Banken wichtig. Ein Produktionsgebäude, das nur ein einziger Mieter nutzen kann, bringt im Verwertungsfall selten einen marktgerechten Preis.

Bedeutung für die Buchhaltung

In der Bilanzierung einer Immobilie taucht der Beleihungswert nicht direkt auf. Angesetzt werden die Herstellungs- und Anschaffungskosten, vermindert um planmäßige Abschreibungen nach § 253 HGB.

Zwei Berührungspunkte gibt es dennoch:

  • Grundschulden werden in Höhe des bewilligten Darlehens als Verbindlichkeit Die zugrunde liegende Beleihungsbewertung bleibt eine interne Bankinformation.
  • Außerplanmäßige Abschreibungen werden nötig, wenn der Marktwert einer Betriebsimmobilie dauerhaft unter den Buchwert sinkt. Der Beleihungswert dient dann als Indikator, nicht als unmittelbarer Bewertungsmaßstab.

Für die Finanzplanung ist der Beleihungswert dagegen zentral. Er bestimmt, wie viel Fremdkapital Sie für Investitionen in Immobilien tatsächlich einwerben können.

FAQ: Häufig gestellte Fragen zum Beleihungswert

Warum liegt der Beleihungswert unter dem Verkehrswert?

Die Bank rechnet mit einem Sicherheitsabschlag, meist 10 bis 30 Prozent. Dieser Puffer schützt sie vor Preisrückgängen während der langen Kreditlaufzeit.

Wer trägt die Kosten der Beleihungswertermittlung?

In den meisten Fällen der Kreditnehmer. Die Kosten erscheinen entweder gesondert oder sind in den Bearbeitungsgebühren eingepreist.

Kann ich den Beleihungswert selbst beeinflussen?

Nur mittelbar. Modernisierungen, nachgewiesene Mieteinnahmen und vollständige Objektunterlagen erleichtern eine positive Bewertung.

Was unterscheidet Beleihungswert und Marktwert?

Der Marktwert zeigt den aktuell erzielbaren Preis. Der Beleihungswert zeigt den langfristig gesicherten Wert aus Risikosicht der Bank.

Gilt der Beleihungswert nur für Immobilien?

Nein. Auch Wertpapiere, Schiffe oder bestimmte Betriebsmittel haben Beleihungswerte. In der Praxis dominiert jedoch die Immobilienfinanzierung.

Wie oft wird der Beleihungswert angepasst?

Bei bestehenden Krediten in der Regel gar nicht. Eine Neuermittlung erfolgt bei größeren Umbauten, Marktverwerfungen oder einer geplanten Prolongation.

Beeinflusst der Beleihungswert meine Zinskonditionen?

Ja, erheblich. Je niedriger der Beleihungsauslauf, desto günstiger die Kondition. Der Wechsel von 90 auf 60 Prozent spart typischerweise 0,3 bis 0,5 Prozentpunkte Zinsen.

Was passiert bei einem zu niedrigen Beleihungswert?

Sie brauchen mehr Eigenkapital oder zusätzliche Sicherheiten. Alternativ hilft ein Gegenangebot einer anderen Bank, die den Wert möglicherweise anders ansetzt.

Sie finanzieren eine Betriebsimmobilie und möchten die Zahlen Ihrer Investition sauber in der Buchhaltung abbilden?

Unser Buchhaltungsservice sorgt für die korrekte Erfassung von Anschaffungskosten, Abschreibungen und Grundschuldverbindlichkeiten in Ihrer laufenden Buchführung.

Stand: Oktober 2026. Dieser Beitrag ersetzt keine individuelle Beratung durch Bank, Steuerberater oder Sachverständige.

(0 79 57) 4 11 05 24 | info@buchhaltung.de
Erbracht werden ausschließlich Leistungen gem. § 6 Nr. 3 und 4 des StBerG, ohne Rechts- und Steuerberatung.
Wir verwenden Cookies
Wir möchten Sie um Zustimmung zur Verwendung von Cookies bitten. Diese dienen uns zur Analyse der Zugriffe auf unsere Website und deren Optimierung.
technisch notwendige Cookies
Cookies zur Statistik und Webanalyse
Alle Cookies akzeptieren
Auswahl speichern