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Handelsgesetzbuch: Was ist das HGB?

Das Handelsgesetzbuch (HGB) ist ein umfangreicher Gesetzestext, der das Handelsrecht in Deutschland bestimmt. Hier sind die Regeln und Vorschriften für Kaufleute, verschiedene Gesellschaftsformen sowie für Handelsgeschäfte aufgeführt. Auch das Seehandelsrecht ist durch das HGB geregelt.

Es bildet die Grundlage für die Tätigkeit von Kaufleuten, Unternehmen, Buchhaltern, Steuerberatern und anderen unternehmerisch oder wirtschaftlich tätigen Menschen. Das Handelsgesetzbuch spielt aufgrund seiner Bedeutung für Wirtschaft und Industrie eine wesentliche Rolle: Es wird einerseits von Gesetzen (wie zum Beispiel Regelungen der Europäischen Union) beeinflusst. Andererseits bildet es die Grundlage für weitere Gesetze und Regelungen, etwa zur Umsatzsteuer.

Das HGB wurde am 10. Mai 1897 verabschiedet und trat am 1. Januar 1900 in Kraft, gleichzeitig mit dem Bürgerlichen Gesetzbuch (BGB). Seitdem wurde es vielfach überarbeitet und an wirtschaftliche sowie europäische Entwicklungen angepasst. 

Das Wichtigste in Kürze

  • Das HGB regelt das Handelsrecht in Deutschland für Kaufleute, Gesellschaften und Handelsgeschäfte
  • Es besteht aus 5 Büchern und ist seit 1900 in Kraft
  • Das HGB geht dem BGB vor, wenn es um kaufmännische Sachverhalte geht
  • Buchführungspflicht, Bilanzierungsgrundsätze und Jahresabschluss sind zentrale Themen
  • Verstöße gegen HGB-Vorschriften können mit Bußgeldern bis zu 50.000 € geahndet werden

Was ist der Unterschied zwischen HGB und BGB?

Das Bürgerliche Gesetzbuch (BGB) regelt das allgemeine Zivilrecht für alle Bürgerinnen und Bürger. Das HGB hingegen ist ein Sondergesetz für Kaufleute und geht dem BGB im kaufmännischen Bereich vor.

Das bedeutet: Sobald ein Sachverhalt einen Kaufmann betrifft und das HGB eine spezifische Regelung enthält, gilt diese, nicht das BGB. Erst wenn das HGB keine Regelung trifft, kommt das BGB ergänzend zur Anwendung.

Was regelt das Handelsgesetzbuch?

Das HGB ist ein sehr umfangreiches Gesetz, das zahlreiche Bereiche des Handels regelt. Besonders wichtig sind dabei die zahlreichen Vorgaben, die das Handelsgesetzbuch zur Buchführung macht: Hier sind zum Beispiel die Bilanzierungsgrundsätze enthalten. Diese kommen bei der Erstellung der Bilanz zum Einsatz. Darüber hinaus enthält das Handelsgesetzbuch Vorgaben für das Verfassen von Wirtschaftsberichten und anderen wichtigen Dokumenten.

Auch die doppelte Buchführung und die Buchung laufender Geschäftsvorfälle sind dort verankert.

Daneben enthält das Handelsgesetzbuch aber auch Definitionen zum “Handelsstand”:

  • Wer ist ein Kaufmann oder eine Kauffrau?
  • Was ist eine Firma?
  • Wer hat wann Prokura?

Die Rechte und Pflichten, die mit dem Handelsstand einhergehen, sind ebenfalls aufgeführt. Das Gleiche gilt für die Formen von Handelsgeschäften und das Seehandelsrecht. Ein besonders wichtiger Teil befasst sich außerdem mit den Gesellschaftsformen.

Wie ist das HGB aufgebaut? 

Das HGB gliedert sich in fünf Bücher: 

Buch

Inhalt

1. Buch

Handelsstand: Definition des Kaufmanns, Firma, Prokura, Handelsregister

2. Buch

Handelsgesellschaften: OHG, KG und stille Gesellschaft

3. Buch

Handelsbücher: Buchführungspflicht, Jahresabschluss, Bilanz, GuV

4. Buch

Handelsgeschäfte: Kauf, Kommission, Frachtrecht, Lagergeschäft

5. Buch

Seehandel: Schifffahrt, Frachtverträge, Havarie

Welche Kaufmann-Typen unterscheidet das HGB? 

Das HGB definiert vier verschiedene Kaufmann-Typen: 

  • Istkaufmann (§ 1 HGB): Wer ein Handelsgewerbe betreibt, ist automatisch Kaufmann, unabhängig von einer Eintragung ins Handelsregister.
  • Kannkaufmann (§ 2 HGB): Kleingewerbetreibende und Land-/Forstwirte können sich freiwillig ins Handelsregister eintragen lassen und werden damit zum Kaufmann.
  • Formkaufmann (§ 6 HGB): Bestimmte Gesellschaftsformen (z. B. GmbH, AG) sind kraft ihrer Rechtsform Kaufleute, unabhängig von der Art ihrer Tätigkeit.
  • Scheinkaufmann: Wer nach außen hin den Eindruck erweckt, Kaufmann zu sein, muss sich an den kaufmännischen Pflichten festhalten lassen.

Welche Unterschiede gibt es zwischen Personen- und Kapitalgesellschaften?

Die Unterschiede zwischen Einzelunternehmen, Kapitalgesellschaften und Personengesellschaften sind im Handelsgesetzbuch klar festgelegt. Es enthält die Vorschriften für die einzelnen Unternehmensformen und regelt auch, wann diese Anwendung finden.

Je nach Gesellschaftsform muss ein Unternehmen unterschiedliche Pflichten erfüllen. So bestimmt das Handelsgesetzbuch zum Beispiel, ob eine einfache Einnahmenüberschussrechnung ausreicht oder die aufwendigere Gewinn- und Verlustrechnung (GuV) notwendig ist.

Die Vorschriften für Gesellschaften sind dabei oft strenger. Oft schließen sie Wahlrechte und Vereinfachungen aus, die zum Beispiel für Einzelunternehmer gelten. Auch die Berichte, Ermittlung von Geschäftsergebnissen und allgemeiner Dokumentationsaufwand, die das Handelsgesetzbuch vorgibt, sind hier deutlich umfangreicher.

Welche Bilanzierungsprinzipien schreibt das HGB vor?

Das HGB enthält im 3. Buch wichtige Grundsätze ordnungsmäßiger Buchführung (GoBD), darunter: 

  • Vorsichtsprinzip: Risiken und Verluste müssen frühzeitig berücksichtigt werden, Gewinne erst bei sicherer Realisierung.
  • Realisationsprinzip: Gewinne dürfen erst ausgewiesen werden, wenn sie tatsächlich realisiert wurden.
  • Stetigkeitsprinzip: Einmal gewählte Bilanzierungs- und Bewertungsmethoden müssen beibehalten werden.
  • Einzelbewertungsprinzip: Vermögensgegenstände und Schulden sind einzeln zu bewerten.

Wie wird das Handelsgesetzbuch aktualisiert?

Das Handelsgesetzbuch ist bereits über hundert Jahre alt und wurde in seiner Geschichte immer wieder angepasst und aktualisiert. Auch heute gibt es immer noch regelmäßige Änderungen. Die Vorgaben und Gesetze der Europäischen Union haben beispielsweise einen großen Einfluss auf das HGB.

Auch die Anpassung an die internationalen Buchhaltungsstandards IFRS (“International Financial Reporting Standards”) sorgen immer wieder für Veränderungen. Das System ist für Konzernabschlüsse kapitalmarktorientierter Unternehmen bereits verpflichtend.

Welche Konsequenzen drohen bei Verstößen gegen das HGB?

Wer gegen die Vorschriften des HGB verstößt – etwa durch fehlerhafte Buchführung, unvollständige Jahresabschlüsse oder die Verletzung von Offenlegungspflichten – muss mit ernsthaften Konsequenzen rechnen: 

  • Bußgelder bis zu 50.000 € (z. B. bei nicht fristgerechter Offenlegung des Jahresabschlusses)
  • Steuerliche Nachteile durch Verwerfung der Buchführung und Gewinnschätzung durch das Finanzamt
  • Zivilrechtliche Haftung gegenüber Gläubigern oder Gesellschaftern

Im Extremfall strafrechtliche Verfolgung bei vorsätzlicher Bilanzverfälschung

(0 79 57) 4 11 05 24 | info@buchhaltung.de
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